Stradevia hilft… dem Hospizverein

Beim kommenden Heimspiel gegen den FC St. Pauli werden wir wieder im Rahmen unseres sozialen Projektes „Stradevia hilft…“ auf Spendensammlung gehen. In diesem Jahr werden wir damit den Hospizverein Fürth e.V. unterstützen den wir euch im Folgenden etwas näher vorstellen möchten.

KBS: Wenn man an Hospiz denkt, haben viele Personen sicherlich oftmals schwerkranke Menschen im Kopf die nur noch kurze Zeit zu leben haben. Und natürlich gehört auch das zu Ihrer täglichen Arbeit dazu. Aber wie sieht diese genau aus? Kümmern Sie sich eher um die Pflege der Leute oder helfen Sie ihnen, notwendige Angelegenheiten wie das Begräbnis zu organisieren?
Hospizverein: Die Menschen haben zumeist keine Angst vor dem Tod, sondern Angst vor dem Sterben. Wir helfen, in der Angst zu begegnen und weitgehend aufzulösen. Die Pflege bleibt den professionellen Pflegediensten vorbehalten. Gerne motivieren wir aber dazu, eine Bestattungsvorsorge abzuschließen und dabei mit dem Bestatter die Details dahingehend festzulegen, wie die Beerdigung und die Grabpflege denn einmal aussehen soll.

KBS: Bei unseren Treffen war es Ihnen immer wichtig zu betonen, dass Hospiz nicht nur „sterben“ bedeutet. Vielmehr geht es Ihnen darum, die verbleibende Zeit, die teilweise auch mehrere Jahre dauern kann, so schön wie möglich zu gestalten und den betroffenen Personen eine Freude zu bereiten. Wie sieht denn dieser Bereich Ihrer Arbeit aus?
Hospizverein: Das Wort „Sterben“ verwenden wir untereinander und auch vor dem Begleiteten eher selten; bei der hospizlichen Haltung geht es vielmehr um die Zurückerinnerung an das, was „Leben“ bedeutet und wie es noch einmal in Angesichts seines Endes zu gestalten, wenn möglich sogar zu feiern ist.

KBS: Um die Arbeit bewerkstelligen zu können braucht es natürlich auch eine Vielzahl an helfenden Händen. Aus wie vielen Mitarbeitern besteht der Hospizverein und wie groß ist das Netzwerk an helfenden Händen?
Hospizverein: Zur Zeit unterstützen 102 Ehrenamtliche und 10 festangestellte Mitarbeiterinnen die Arbeit des Hospizvereins. Alle haben eine nach allgemeinen Standards absolvierte, spezialisierte Ausbildung.

KBS: Und wie viele Personen haben Sie im Schnitt zu betreuen? Stoßen Sie hier auch öfters mal an Ihre Kapazitätsgrenzen?
Hospizverein: Wir begleiten pro Jahr neben den etwa 150 bis 175 Menschen, die versterben, auch rund 50 Menschen, die psychosoziale Unterstützung bei der Bewältigung ihrer durch eine Erkrankung begrenzten Lebenszeit wünschen. Kapazitätsgrenzen kennen wir nicht, bei zusätzlichen anfragen krempeln wir die Ärmel hoch und packen es an.

KBS: Wenn eine nahestehende Person schwer erkrankt ist und man die Hilfe des Hospizverein in Anspruch nehmen könnte, was würden Sie dieser Person sagen, damit diese die Angst vor dem ersten Schritt verliert und wie sieht die allgemeine Kontaktaufnahme zu Ihnen auf?
Hospizverein: Die Kontaktaufnahme erfolgt in der Regel telefonisch mit dem Büro der Koordinatorinnen, die Anregung hierzu geben oftmals Pflegedienste, Nachbarn und auch die versorgenden Hausärzte. Sie erfolgt meistens aus einer sehr großen persönlichen, wirtschaftlichen oder seelischen Notlage heraus und ist überwiegend als Hilferuf zu verstehen und benötigt deswegen auch keine Motivation, um eine Angst vor dem Kontakt zu überwinden.

KBS: Ein Wunsch von Ihnen wäre, dass das Pflegepersonal besser geschult werden würde, um so schon frühzeitig mit den betroffenen Personen diverse Dinge absprechen zu können wie z.B. eine Patientenverfügung. Da die Fluktuation in diesem Berufszweig relativ hoch ist, ist dieses Unterfangen natürlich relativ schwer. Die Spenden sollen unter anderem auch hierfür verwendet werden. Warum ist Ihnen genau dieser Bereich so wichtig?
Hospizverein: Das Sterben hat geformt zu werden: auf der körperlich-medizinischen, der sozialen, der psychischen und der spirituellen Ebene. Die Beratungen und Begleitungen sind anspruchsvoll und beziehen auch die An- und Zugehörigen mit ein. Es bedarf hierzu Menschen, die Lebenserfahrung und eine solide Hospizausbildung haben.

KBS: Vor kurzem gab es einen großen Artikel, in dem der Wunsch eines letzten Besuches des eigenen Pferdes realisiert werden konnte. Und das ist nicht der einzige Wunsch, der erfüllt werden konnte. Was waren hier die schönsten und/oder kuriosesten Wünsche, die Sie erfüllen konnten?
Hospizverein: Da wird schon einmal ein Pflegebett vor der Bühne der Stadthalle aufgebaut und der Begleitete anlässlich der Feier seines Hochzeitstags zu einem Konzert gebracht. Da wird auch mit viel Logistik einem Mann ein Rundflug ab Herzogenaurach organisiert, damit er sich von seinem früheren Pilotenleben versöhnlich verabschieden kann. Und natürlich die Organisation von einem Hausbesuch der Greuther Fürther Spieler bei einem seiner Fans oder der Trainingsbesuch eines Clubfans bei seinem Verein.

KBS: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben um für unsere Leser einige Fragen zu beantworten. Wir freuen uns auf die gemeinsame Sammelaktion beim kommenden Heimspiel und überlassen Ihnen nun die letzten Worte…
Hospizverein: Sterben ist generell niemals schön, dennoch kann es so gestaltet werden, dass sowohl der Abschied aus dem Leben versöhnlich wird, als auch die Angehörigen für ein Weiterleben befähigt werden. Hospizarbeit findet auf zahlreichen menschlichen, psychosozialen und spirituellen Ebenen statt, sie ist unglaublich vielseitig und zutiefst dem Menschen zugewandt. Menschen, die diese Haltung zu Leben und Sterben haben, sind als Ehrenamtliche genauso herzlich willkommen wie auch diejenigen, die unsere Hilfe bei der Begleitung in Rat und Tat suchen.

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